Warum wird Popeye mit Malta in Verbindung gebracht? Die Geschichte von Popeye Village
Wenn man an Popeye und Malta denkt, kommt einem sofort ein Ort in den Sinn: Popeye Village. Die farbenfrohe Ansammlung schiefer Holzhäuser liegt direkt an der malerischen Anchor Bay bei Mellieħa und gehört heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Maltas. Doch Popeye Village ist weit mehr als ein Themenpark oder eine Touristenattraktion. Das Dorf ist das originale Filmset eines Hollywoodfilms, der den berühmten Seemann Popeye im Jahr 1980 zum Leben erweckte.
Die Verbindung zwischen Popeye und Malta entstand Ende der 1970er-Jahre, als Hollywood auf die Insel kam, um den Realfilm Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag zu drehen. Die Musical-Komödie mit Robin Williams und Shelley Duvall verwandelte einen Teil der maltesischen Küste in das fiktive Fischerdorf Sweethaven. Mehr als vier Jahrzehnte später steht das Filmset noch immer – und Besucher können heute tatsächlich durch die Kulissen eines Hollywoodfilms spazieren.
Der Film, der Popeye nach Malta brachte
Popeye wurde ursprünglich als Comicfigur vom Zeichner E. C. Segar geschaffen und erschien erstmals 1929. Der Matrose mit den außergewöhnlichen Unterarmen, der durch Spinat zusätzliche Kräfte bekommt, entwickelte sich schnell zu einer weltweit bekannten Figur. Nach zahlreichen Zeichentrickfilmen und Comics erhielt Popeye schließlich seine große Live-Action-Verfilmung.
Regie bei Popeye führte der renommierte amerikanische Regisseur Robert Altman. Die Hauptrolle übernahm der damals noch junge Robin Williams, während Shelley Duvall als Olive Oyl zu sehen war. Weitere wichtige Rollen spielten unter anderem Ray Walston als Poopdeck Pappy und Paul L. Smith als Bluto.
Der Film erzählt die Geschichte von Popeye, der in dem kleinen Küstendorf Sweethaven ankommt. Dort trifft er auf Olive Oyl, gerät mit dem kräftigen Bluto aneinander und macht sich auf die Suche nach seinem lange vermissten Vater. Der Film kombiniert Comedy, Musical-Elemente, Abenteuer und die überdrehten Figuren aus den ursprünglichen Popeye-Comics.
Die ungewöhnliche Optik des Films ist dabei ein wesentlicher Grund dafür, dass Malta bis heute mit Popeye verbunden wird.
Die Dreharbeiten begannen am 23. Januar 1980 und dauerten bis zum 19. Juni 1980. Ein großer Teil der Produktion fand auf Malta statt. Die Landschaft der Insel und vor allem das speziell errichtete Filmset wurden genutzt, um die fiktive Welt von Sweethaven zum Leben zu erwecken.
Wie Popeye Village entstand
Das wohl wichtigste Vermächtnis des Films ist Popeye Village, das ursprünglich den Namen Sweethaven Village trug.
Das Dorf wurde speziell für den Film an der Anchor Bay in der Nähe von Mellieħa im Nordwesten Maltas errichtet. Mit dem Bau wurde 1979 begonnen. Ein internationales Team arbeitete mehrere Monate daran, die außergewöhnliche Kulisse zu schaffen. Nach Angaben von Popeye Village waren rund 165 Arbeiter an den Bauarbeiten beteiligt. Holz wurde unter anderem aus den Niederlanden geliefert, während Dachschindeln aus Kanada importiert wurden.
Das Ergebnis war ein ungewöhnliches Fischerdorf mit rund 19 Holzhäusern. Die Gebäude wurden bewusst schief und fantasievoll gestaltet, damit sie aussahen, als wären sie direkt aus einem Popeye-Comic entsprungen. Die bunten Fassaden, kleinen Fenster, verwinkelten Wege und die Lage direkt am Meer verliehen dem Dorf seinen unverwechselbaren Charakter.
Für die Filmproduktion musste sogar die Infrastruktur rund um das Set angepasst werden. Unter anderem wurde eine Zufahrtsstraße gebaut, damit die Crew das abgelegene Gelände erreichen konnte. Außerdem entstand ein Wellenbrecher an der Einfahrt zur Anchor Bay, um das Filmset vor starkem Wellengang zu schützen.
Sweethaven war somit keineswegs nur eine kleine Kulisse für einzelne Szenen. Es war eine umfangreiche Filmwelt, die speziell für die Produktion gebaut wurde.
Warum steht Popeye Village heute noch?
Das eigentlich Bemerkenswerte an Popeye Village ist, dass das Filmset nach den Dreharbeiten nicht abgerissen wurde.
Normalerweise sind Filmkulissen nur für die Dauer einer Produktion gedacht. Nach Ende der Dreharbeiten werden sie häufig abgebaut oder verschwinden wieder aus der Landschaft. Bei Sweethaven kam es jedoch anders.
Das Dorf blieb erhalten und wurde schließlich zu einer Besucherattraktion weiterentwickelt. Heute ist Popeye Village Malta ein Freilichtmuseum und Freizeitpark, in dem Besucher das originale Filmset erkunden können.
Damit ist Popeye Village etwas Besonderes: Es handelt sich nicht um eine moderne Nachbildung, die Jahrzehnte später im Stil des Films gebaut wurde. Die Gebäude wurden tatsächlich für den Film von 1980 errichtet.
Besucher können durch die Straßen von Sweethaven spazieren, verschiedene Gebäude besichtigen und mehr über die Entstehung des Films erfahren. Zum Gelände gehört außerdem ein Kino, in dem Informationen über die Dreharbeiten und den Bau des Dorfes vermittelt werden.
Popeye Village verbindet dadurch Filmgeschichte mit der Geschichte Maltas und ist gleichzeitig ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie ein Filmset zu einer dauerhaften Sehenswürdigkeit werden kann.
Wo wurde Popeye auf Malta gedreht?
Obwohl Popeye Village die berühmteste Kulisse des Films ist, fanden die Dreharbeiten nicht ausschließlich dort statt.
Anchor Bay und Mellieħa bildeten das Zentrum der Produktion. Das Sweethaven-Set wurde direkt an der Bucht errichtet. Die natürlichen Felsen, das klare Mittelmeer und die geschützte Lage der Bucht eigneten sich perfekt, um die fiktive Küstenstadt darzustellen.
Der größte Teil der bekannten Dorfkulisse – darunter die Häuser, Straßen und der Hafen – entstand direkt am heutigen Popeye Village.
Auch die berühmte Blue Grotto im Süden Maltas gehört zu den mit dem Film verbundenen Drehorten. Die spektakulären Kalksteinformationen und das intensive Blau des Mittelmeers zeigen, warum Malta für Filmproduktionen so attraktiv ist. Die Insel bietet eine ungewöhnliche Mischung aus mediterraner Landschaft, historischen Gebäuden und dramatischen Küsten.
Ein weiterer wichtiger Drehort waren die Malta Film Studios in Kalkara. Die Studios boten der Produktion die notwendigen Einrichtungen für Studioaufnahmen und gehörten zu den Drehorten des Films.
Darüber hinaus wurde die kleine, unbewohnte Insel Filfla vor der Südostküste Maltas für Popeye verwendet. Im Film diente Filfla als die fiktive Scab Island.
Damit war Malta nicht nur die Heimat von Sweethaven. Die Produktion nutzte verschiedene Landschaften und Einrichtungen auf der Insel, um die Welt von Popeye zu erschaffen.
Wie Popeye zu einem Teil der maltesischen Identität wurde
Die starke Verbindung zwischen Popeye und Malta lässt sich letztlich auf einen entscheidenden Punkt zurückführen: Der Film hat einen dauerhaften Teil seiner Welt auf der Insel hinterlassen.
Viele Filme wurden bereits auf Malta gedreht. Die Kulissen verschwinden jedoch normalerweise nach Ende der Produktion oder die Drehorte werden wieder zu dem, was sie vorher waren. Bei Popeye ist das anders. Das riesige Filmset von Sweethaven blieb bestehen und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Touristenattraktionen Maltas.
Heute profitieren beide Seiten von dieser Verbindung. Der Film machte diesen Teil Maltas international bekannt, während Malta Popeye einen Ort schenkte, an dem seine fiktive Welt bis heute tatsächlich besichtigt werden kann.
Für Besucher ist es ein besonderes Erlebnis, an der Anchor Bay anzukommen und die bunten Häuser von Sweethaven vor der Kulisse des Mittelmeers zu sehen. Das Dorf wirkt beinahe wie eine Zeichentrickwelt, obwohl es sich um einen realen Ort handelt, der seit mehr als vier Jahrzehnten existiert.
Genau deshalb wird Popeye so eng mit Malta verbunden. Es liegt nicht nur daran, dass ein Hollywoodfilm auf der Insel gedreht wurde. Vielmehr hat die Produktion die Landschaft Maltas nachhaltig geprägt und eine Sehenswürdigkeit hinterlassen, die bis heute Besucher aus aller Welt anzieht.
Mehr als 40 Jahre nachdem Robin Williams als Popeye durch die Straßen von Sweethaven lief, ist Popeye Village noch immer ein einzigartiger Teil der maltesischen Filmgeschichte – ein Ort, an dem Hollywood, Comicwelt und mediterrane Landschaft auf faszinierende Weise zusammenkommen.
